© Jörn Kipping
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Francis Hüsers

ist seit August 2017 Intendant am Theater Hagen.

Freischaffend arbeitet er weiterhin als Autor und Dramaturg. Zuletzt realisierte er als Dramaturg mit den Regisseuren Jochen Biganzoli an der Oper Halle Puccinis TOSCA (Premiere am 26.11.2016) und Vincent Boussard am Theater St. Gallen Wagners LOHENGRIN (Premiere am 22.10.2016), nachdem er mit Jochen Biganzoli bereits am Theater Lübeck Dmitri Schostakowitschs Oper LADY MACBETH VON MZENSK (Premiere am 04.03.2016) in Szene gesetzt hatte – eine Produktion, die nicht nur von Publikum und Presse begeistert aufgenommen wurde, sondern jüngst auch für den deutschen Theaterpreis "Der Faust 2016" in der Kategorie "Beste Musiktheaterregie" nominiert war. (Die Welt: „Sensationelles Regiegeniestück“; Neue Musikzeitung: „Blitzgescheite Regieeinfälle ... mit über den Tellerrand der Vorlage gerichtetem Blick in die Welt“; Lübecker Nachrichten: „Einfach wunderbar!“).

Zuvor war bereits die Produktion von DIE TOTE STADT von Erich Wolfgang Korngold, die Francis Hüsers als Dramaturg mit dem Regisseur Johannes Erath im Januar 2015 an der Oper Graz herausgebracht hatte, im Juni 2016 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis als "beste Gesamtproduktion" ausgezeichnet worden.

 

Bis August 2015 war Francis Hüsers als Operndirektor und Stellvertretender Intendant der Staatsoper Hamburg tätig – mit und für Simone Young als Generalmusikdirektorin und Intendantin in Personalunion. Unter seiner Direktion entwickelte sich die Staatsoper Hamburg überaus erfolgreich, so dass Simone Young und Francis Hüsers im Sommer 2015 nach der insgesamt 10jährigen Amtszeit von Simone Young in Hamburg ein wirtschaftlich und künstlerisch abgesichertes Opernhaus an die neue Leitung von Kent Nagano als Generalmusikdirektor und Georges Delnon als Intendant übergeben konnten. Hohe Auslastungszahlen und eine internationale Aufmerksamkeit, die der Staatsoper Hamburg von 2010 bis 2015 zuteil wurde, belegen den Erfolg.

2013 beispielsweise konnte Francis Hüsers in London für die Hamburger Oper den „Opera Award“ entgegen nehmen für die mit Simone Young als Dirigentin und David Alden als Regisseur in einem Zyklus in wenigen Wochen realisierte „Verdi-Trilogie“ – szenische Produktionen von drei selten gespielten, frühen Verdi-Opern. Ebenso hatte schon der einige Monate vorher unter dem Titel „Wagner-Wahn“ in nur zwei Wochen realisierte Zyklus der zehn wichtigsten Wagner-Opern außerordentliche Beachtung gefunden. Die Erneuerung von Repertoirewerken mit hoher Publikumsattraktivität, die zuvor jahrzehntelang in der immer gleichen Produktion gespielt worden waren, konnte unter der Direktion von Francis Hüsers und seiner dramaturgischen Mitwirkung erfolgreich realisiert werden, so beispielsweise MADAMA BUTTERFLY in der Regie von Vincent Bussard, dem Bühnenbild von Vincent Lemaire und den Kostümen von Christian Lacroix, LA TRAVIATA in der Inszenierung von Johannes Erath im Bühnenbild von Annette Kurz und Kostümen von Herbert Murauer sowie CARMEN, inszeniert von Jens Daniel Herzog in der Ausstattung von Mathis Neidhardt.

Besondere Erfolge waren ihm als Operndirektor und Dramaturg aber auch mit einigen Ausgrabungen sowie mit Produktionen des Randrepertoires beschert. So initiierte er die Produktion der 1984 zwar von der Staatsoper Hamburg in Auftrag gegebenen, dort jedoch bis dato nie gespielten Oper DER MEISTER UND MARGARITA von York Höller, die nun (in 2013) Jochen Biganzoli in Hamburg bravourös inszenierte. Weitere Erfolge gelangen in dieser Hinsicht etwa mit Benjamin Brittens der Krönung von Elisabeth II. geweihten Oper GLORIANA, die Richard Jones inszenierte, mit der Barockoper FLAVIUS BERTARIDUS von Georg Philipp Telemann in der Regie von Jens Daniel Herzog oder mit DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN von Leoš Janáček, inszeniert von Johannes Erath.

Die Hamburger Ära von Simone Young fand dann in der von der Staatsoper Hamburg auf Initiative von Francis Hüsers in Auftrag gegebenen und dramaturgisch von ihm betreuten Uraufführung LA BIANCA NOTTE / DIE HELLE NACHT von Beat Furrer im Mai 2015 ihren krönenden Abschluss – unter der musikalischen Leitung von Simone Young, inszeniert von Ramin Gray im Bühnenbild von Jeremy Herbert und den Kostümen von Janina Brinkmann.

Gemeinsam mit Kerstin Schüssler-Bach konzipierte Francis Hüsers auch die experimentelle Produktionsreihe „Black Box 20_21“, die er von 2012 bis 2015 in der Opera Stabile der Staatsoper Hamburg mit insgesamt sechs Produktionen durchführte. Dabei wurden jeweils literarische Texte mit Stücken zeitgenössischer Musik experimentell zu einem neuen Werk montiert. Schon die erste Produktion der Reihe: I AM YOUR OPUS mit Musik von Aribert Reimann und Texten von Sylvia Plath war ein außerordentlicher Erfolg. Im Oktober 2014 führte Francis Hüsers in dieser Reihe auch selbst Regie bei der Produktion DIE VERZEIHUNG mit Musik von Claude Vivier und Rolf Riehm sowie Texten nach Motiven von Jean Genet, Pier Paolo Pasolini, Hans Henny Jahnn u. a.

 

Vor seiner Tätigkeit als Hamburger Operndirektor war Francis Hüsers von 2005 bis 2010 in Berlin als Leitender Dramaturg und Künstlerischer Produktionsleiter an der Staatsoper Unter den Linden tätig – mit Daniel Barenboim als Generalmusikdirektor sowie den Intendanten Peter Mussbach, Ronny Adler und Jürgen Flimm. Die Spielzeiten an der Berliner Staatsoper waren insbesondere gekennzeichnet durch eine enge Zusammenarbeit von Francis Hüsers mit René Jacobs als musikalischem Leiter von Barockopernproduktionen, die meist nicht nur in Berlin, sondern auch in Innsbruck gezeigt wurden. Als Chefdramaturg der Staatsoper Unter den Linden konnte er zudem einige überaus erfolgreiche Produktionen mit profilierten Regisseuren realisieren, so etwa Prokofjews Oper DER SPIELER mit Dmitri Tcherniakov, die MARIENVESPER von Monteverdi in der Inszenierung von Luk Perceval und nicht zuletzt Händels AGRIPPINA, inszeniert von Vincent Boussard.

 

Vor der Zeit an der Berliner Staatsoper hatte er von 1995 bis 2005 schon einmal an der Staatsoper Hamburg als Referent und Künstlerischer Produktionsleiter für die Intendanzen von Albin Hänseroth und Louwrens Langevoort gearbeitet und dabei auch alle Zusammenarbeiten von Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher mit Regisseuren wie Peter Konwitschny (z.B. LOHENGRIN, WOZZECK, DON CARLOS) Hans Neuenfels (FIDELIO) oder Willy Decker (z.B. PELLEAS ET MELISANDE) betreut – Produktionen, von denen heute einige ‚Kultstatus’ erlangt haben.

 

Francis Hüsers studierte Germanistik, Soziologie und Anglistik in Köln sowie Sozialpädagogik in Mönchengladbach und veröffentlichte bis 1997 zunächst vor allem soziologische Arbeiten, so etwa gemeinsam mit Alphons Silbermann zum Thema Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Ab 1998 verfasste er dann verstärkt Essays über Literatur und Oper.

Als Librettist schrieb er die Texte für zwei Musiktheaterstücke von Jörn Arnecke (DAS FEST IM MEER, uraufgeführt in Hamburg 2003, und DREI HELDEN, uraufgeführt in Rheinsberg 2004), für eine Oper von Alexander Muno (VOM MEER nach Ibsens "Die Frau vom Meer", uraufgeführt in Heidelberg 2011) und jüngst den Text für die Kinderoper von Benjamin Gordon DIE HAMBURGER SINDBADAUKEN, uraufgeführt in Hamburg 2015.

 

Als Dramaturg zahlreicher Opernproduktionen arbeitete er in Berlin, Graz, Frankfurt, Bern, Köln, Hamburg, Oslo, Dresden, Lübeck, Halle und St. Gallen unter anderem mit den Regisseuren Luk Perceval, Dmitri Tcherniakov, David Alden, Alexander Schulin, Nigel Lowery, Vincent Boussard, Petra Müller, Ramin Gray, Johannes Erath und Jochen Biganzoli zusammen.